| Mitgliederprofile |
|
Das inzwischen langjährige Bestehen unseres Clubs/Vereins bringt es natürlich auch mit sich, dass sich bei dem Einen oder Anderen interessante oder ungewöhnliche Tatsachen ergeben, die wir hier präsentieren möchten |
| Januar 2006 | |||
![]() |
|||
![]() |
Biografie:
Geburtstag: Mitlied seit: bevorzugte Epochen: Modellbahner seit: |
22. Januar 1936 01. März 1998 DRG und USA Weihnachten 1940 |
|
![]() |
![]() |
||
| Nachstehend Erinnerungen des Jubilars aus seiner eigenen Feder: | |||
| 65 Jahre Modellbahn - Gedanken und Erinnerungen*
Nietenzähler werden einwenden, das sei wohl etwas übertrieben, Weihnachen 1940 gab es noch keine Modellbahn, das war doch noch eher eine Spielzeugeisenbahn. Recht haben sie. Schaut man sich die Märklin-Kataloge von damals an, so lässt sich nicht leugnen, dass die Modelle ihren großen Vorbildern recht frei nachempfunden waren. Wir hatten damit jedoch keinerlei Probleme. Wir wollten spielen.
Dennoch wird auch heute noch jeder sofort das legendäre Krokodil oder eine 01 erkennen, auch wenn die Details erheblich vom Vorbild abweichen. "Gestaltwahrnehmung" nannte Konrad Lorenz dieses Phänomen.
Im Übrigen erfreuen sich diese alten Modelle, nunmehr ganz zutreffend unter dem Begriff
"tin plate" eingeordnet, heute in Sammlerkreisen höchster Wertschätzung. Und wer das Glück hat, auf Modellbahner-Treffen einmal eine solche alte tin-plate-Anlage zu erleben, kann sich ihrem Flair und ihrem Charme kaum entziehen, umso weniger, wenn damit Erinnerungen an eigene Erlebnisse geweckt werden.
Noch vor Kurzem hat Märklin mit den MAXI-Modellen in Spur 1 an die alte Tradition angeknüpft. Gerade in diesem Bereich hat die Entwicklung in letzter Zeit dazu geführt, dass es einigermaßen schwer fällt, eine Grenze zwischen Modell und Spielzeug zu erkennen.
Ist das überhaupt wichtig? Was machen denn die Modellbahner heute mit ihren mehr oder weniger vorbildgetreuen Modellen? Spielen sie etwa nicht? Die weitaus meisten folgen dem Motto, das unsere Freunde hinter dem großen Teich so treffend formulieren: model railroading is fun !
So bleiben wir also mit Fug und Recht bei dem Begriff "Modellbahn" und feiern den Beginn eines wunderschönen Hobbys, das vor 65 Jahren mit einer "Spielzeugeisenbahn" begann.
Es ist keine reine Kinderkrankheit, es erwischt auch Erwachsene. Und dieses Virus wird man nie wieder los, gegen "v. hamaxostichorum ludicrorum" gibt es keine Immunität, nur im "Krankheitsverlauf" kann man erhebliche Unterschiede beobachten.
Es war schon ein gewaltiger Eindruck, der am Heiligabend 1940 beim Betreten des Wohnzimmers auf den kleinen Wolfram wartete. Da kam gar kein Gedanke auf, wie der Weihnachtsmann das so blitzschnell aufbauen konnte. Es war einfach atemberaubend.
Und was es da alles zu entdecken gab. Vor allem der gewaltige Bahnhof hatte es buchstäblich in sich. Die Türen ließen sich öffnen, die Zeit wurde von einer echt gehenden Uhr angezeigt, zumindest zur Wohnzimmerseite hin, zur Fensterseite musste eine Attrappe genügen. Und beleuchtet war er auch (mit einer 220 V/15W-Glühlampe in einer Porzellanfassung, wie sie damals üblich waren).
Der Name des Bahnhofs war Wolframshausen (richtig mit "m", nicht etwa mit "t"), die Schrift selbstverständlich die Alte Schwabacher, die auch über dem Fahrkartenschalter und der Gepäckausgabe prangte.
Auf dem Bahnsteig erkennt man links im Bild sogar einen "Hampelmann", ein Detail, das man auf heutigen Anlagen oft vergeblich sucht; mit echt beweglichen Richtungsschildern, z.B. nach Ullahütte/Julchenaue. Ulla heißt die Schwester, Julchen war der Kosename der Mutter.
Rechts vom Bahnhof erkennt man ein Läutewerk, ganz rechts unter dem Weihnachtsbaum den - immerhin überdachten - Haltepunkt Ullahütte.
Nicht vorbildgerecht sind allerdings die Fahnen auf Dach und Bahnsteig. Heute würde man das als mangelnde Linientreue verurteilen. Zur Erinnerung: wir schreiben das Jahr 1940; welche Fahnen wehten da wohl auf dem Hafenbahnhof von Friedrichshafen?
Der Bahnhof Friedrichshafen war bekanntlich seinerzeit ein berühmtes Beispiel moderner Architektur und als solches ebenfalls Vorbild für ein Märklin-Modell. Heute würde man dieses Modell auf Denglisch als Highlight bezeichnen, was dann auch schon auf einen entsprechenden Preis hinweist. Für die meisten Normalverdienenden war er seinerzeit unerschwinglich. Für Vater Siebler war das erst recht eine Herausforderung. Schließlich konnte er schon einige trefflich gelungenen Laubsägearbeiten vorweisen. Und so durfte denn in den Wochen, nein Monaten, vor Weihnachten Wolfram dem Vater nicht folgen, wenn der abends nach Feierabend und an den Wochenenden die Küchentür hinter sich schloss. Nicht, dass der sich in dieser Zeit weniger um seinen Sohn gekümmert hätte. Galt es doch auch, noch die Weihnachtsgeschichte auswendig zu lernen. Nicht "Lieber guter Weihnachtsmann...." sollte es diesmal sein, sondern: "Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot ausging...." , und das bis zum "Wohlgefallen".
Doch die Küche blieb in jenen Tagen tabu. Große Ereignisse werfen eben ihre Schatten voraus.
Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Das Erinnerungsfoto lässt die saubere Arbeit nicht annähernd erkennen, die absolut geraden Schnitte, die makellose Lackierung, damals noch ohne "airbrush", sondern mit dem Pinsel aufgebrachter Japanlack. Der Bahnhof sollte ja auch das zentrale Prunkstück der Anlage sein.
Der Betrieb war aufregend. Die vielen Weichen mussten von Hand gestellt werden. Wolfram packte der Ehrgeiz. Er wollt Papa zeigen, dass er ein vollwertiger Eisenbahner war. So grübelte er abends vor dem Einschlafen im Bett, wie er welche Weichen stellen müsste, damit der Zug in einem Durchgang die gesamte Anlage durchfährt. Und schlief tatsächlich nicht eher ein, bis er meinte, dass es klappen müsste.
Und es klappte am nächsten Tag gleich beim ersten Mal. Groß war die Freude über den Erfolg und groß der Stolz über Papas Lob. Gewiss hat dieses Erlebnis erheblich zur Begeisterung für die Eisenbahn beigetragen. Zudem ist es eines jener ganz präzisen Erinnerungsbruchstücke aus frühester Jugend, die uns eigenartigerweise ein Leben lang so lebendig in Erinnerung bleiben, als wäre es erst gestern geschehen. Der somit keineswegs überraschende Nebeneffekt: ich kann heute noch die Anlage aus dem Gedächtnis aufzeichnen; hierzu hat sicher auch der jährlich zu Weihnachten wiederholte Aufbau der Anlage beigetragen. Leider musste die Anlage ja nach den Feiertagen abgebaut und wohl verpackt werden, damit das Wohnzimmer seinem Namen wieder gerecht werden konnte.
Ein Jahr Pause ist eine verdammt lange Zeit. Aber es sollte noch schlimmer kommen. Man erinnere sich: Wir hatten Krieg. Und nachdem unübersehbar - und unüberhörbar - wurde, dass ein gewisser Hermann Meyer den Mund zu voll genommen hatte, wurde Berlin evakuiert, d.h. Frauen und Kinder aufs Land verschickt, um sie vor den immer häufiger und dichter fallenden Bomben in Sicherheit zu bringen. In unserem Himmelpforter Domizil - ja, genau dort, wo heute der Weihnachtsmann sogar ein eigenes Postamt hat - war unter dem Weihnachtsbaum für die Eisenbahn "kein Platz in der Herberge".Letztlich dauerte die Zwangspause bis in die Nachkriegsjahre, bis nach der Blockade. In einem ungeheizten Zimmer kommt eben wenig Freude am Spielen auf. Nachdem auch diese schlimme Zeit überstanden war, konnte die Eisenbahn wieder hervorgeholt werden.
Weihnachten 1950 wurde dann das zehnjährige Bestehen der "Lichterfelder Eisenbahn" gefeiert.
Der "Erbauer" der Anlage hat es leider nicht mehr erleben dürfen. Wie man aus dem Fotoalbum, das allerdings erst 1955 gestaltet wurde, ersehen kann, war das Ereignis Anlass genug, der Deutschen Post einen Satz Sondermarken unterzuschieben.
Bereits 1945 war erfolgte der erste Kontakt mit H0, damals noch 00 genannt. Es ist eine abenteuerliche typische Nachkriegsgeschichte, die zwar auch zu meinen tief eingeprägten Erinnerungen zählt, die aber hier den Rahmen sprengen würde und das Thema verfehlte.
Jedenfalls hatte ich eine einmalige Gelegenheit genutzt und war plötzlich auch stolzer Besitzer von ganzen sieben (drei gebogenen und vier geraden) Märklin Dreileiter-Blechschienen und drei Wagen, damals auch noch tin-plate. Damit ließ sich wenigstens die Zeit zwischen den Festen überbrücken, wenn es auch nur auf ein wenig Hinundherschieben hinauslief.
Wer mir bis hier gefolgt ist, möge dem nachfolgenden curriculum die von mir als wesentlich empfundenen Daten und Fakten entnehmen.
Weihnachten 1940 erste Eisenbahnanlage. Mit 0 fing alles an. Traditionell wurde die Anlage jedes Jahr unter dem Weihnachtsbaum aufgebaut. |